Manche Jahre gleichen einem sonnengeküssten, wohltemperierten, sardinendurchfluteten Ozean, den Palmenstrand voller Kokosnüsse und frischem Steckerlfisch immer in Sichtweite, in dem sich zu tummeln ein fragloses Vergnügen mit unabsehbarem Ausgang ist. Das sind in den meisten Fällen westlich-industrieller Lebensläufe die Jahre nach der Geburt, in denen Werte wie Verantwortung, Schuld, das Streben nach Lebensunterhalt und Sexualität den Stellenwert einnehmen, der ihnen zukommt: gar keinen.
Andere Jahre dagegen gleichen einer riesigen Petrischale mit anaeroben Fäulnisbakterien, die es mit einem Bowiemesser zwischen den Zähnen zu durchschwimmen gilt. Das sind die folgenden.
Ein Gutes hatte 2009: Wenn Sie das hier lesen können, sind Sie offensichtlich nicht gestorben, und Sie haben weder Ihr Augenlicht noch ein hoffentlich beheiztes Zimmer mit Internetanschluss eingebüßt. Außer Sie haben statt dessen einen Dummen gefunden, der Ihnen vorliest, und auch das muss man erst mal leisten. Und was, Herz, begehrst du mehr? Bislang sprechen alle Anzeichen dafür, dass auch 2010 irgendwie rumgehn wird.
the missing link, Ihre Lieblingsagentur für positives Denken, wünscht Ihnen fröhliche Weihnachten und sehr viel Glück im neuen Jahr; wir werden es alle brauchen können.
Mal nachrechnen: Die Digital Ist Besser, eine der verdienstreichsten und auf entwaffnende Weise besten Platten deutscher Provenienz, selbst wenn man dem Musikexpress nicht jede auf einem Bierfilz zusammengestoppelte Liste glauben mag, ist von 1995. Auch schon wieder gleich 15 Jahre alt.
Vor 15 Jahren hat da jemand genölt und gejammert, und wir fanden es schaurig schön: "Ich Möchte Teil Einer Jugendbewegung Sein"; das Demo geht sogar schon hart auf die 16.
Wenn wir annehmen, dass ein zorniger junger Mensch 1995 etwa 15-jährig in der finanziellen und seelischen Verfassung war, sich die erste CD von Tocotronic anzuschaffen, wäre er heute im besten Alter, eigene Ableger zu treiben. Die sind heute irgendwas zwischen 2 (Akademikereltern) und 12 (bildungsferne Kindergeldjäger) und feste im Internet unterwegs — und singen das Lied von der digitalen Abnabelung: My Mom's On Facebook.
Ein oft erlebtes Weihnachtsphänomen: Mama ante portas. Dieser Frühwarnservice von the missing link, Ihrer Lieblingsagentur für Diskretion und stilles Arbeiten, kostet Sie nichts und ist umsonst.
An einem bestimmten Punkt im Leben ist schluss, da sollte der Mensch sich aus der Gefangenschaft der Kneipen befreit haben, die er bis dahin für seine Freiheit hielt. Ab sofort verbringt der Mensch deshalb seine Samstagabende statt in Elfriede's Schlauchtränke in einem Kellerraum, in dem die Heizung mit Ajax geputzt wurde, und darf endlich mal ausreden, solange er mit "Ich bin der Karlheinz und Alkoholiker" anfängt. Dort wird er endlich einmal gelobt, was er bei seiner Freundin und nachmaligen Frau so nie erlebt hat, weswegen er in der Wochen zwier (Luther) bei Elfriede seinen Leistungsgedanken im Saufen demonstrieren ging, worin die gute Elfriede ihn immer nur bestärkte. Gelobt wird er dafür, dass er das Ajax gerochen hat, weil er offensichlich schon viel weniger raucht, was ja auch so eine Sucht ist, und stand "Sucht" im alten Rom nicht für "Gefangenschaft"? Nicht? Auch egal, gelobt ist gelobt.
Der Vorteil: Das ist gar kein Abend, sondern eineinhalb Stunden, das hat erst Walt Disney als abendfüllend hingestellt, siehe Schneewittchen 1937, die erste belegte abendfüllende 2D-Animation, nach verschiedenen Quellen 83 bis 87 Minuten, wahrscheinlich je nachdem, wie viele Büchereikunden, die es gar nicht mehr bis zu Elfriede schafften, schon ihre Bierflaschen auf der DVD abgestellt haben — was uns auch lehrt, dass Schneewittchen gerade mal zwei Jahre jünger als mein Vater ist, aber mindestens fünfzig Jahre besser aussieht, und die Amis ihre Weihnachtsblockbuster früher erst drei Tage vor Weihnachten gelauncht haben, aber ob man die 83 bis 87 Minuten meinen Vater oder Schneewittchen anschaut, macht nur in der Pixelauflösung, aber nicht in der Tränenauflösung einen Unterschied; und heute, wo die Geschichten alle sind und der offizielle Vorfilm zu Schneewittchen sein eigener Blockbuster geworden ist, müssen sie fast zeitgleich mit den Lebkuchen anfangen.
Der Nachteil: Bis dahin sollte der Mensch seine künstlerische Produktion abgeschlossen haben. Das ist wie mit dem vorehelichen Sex: Nein, danach kommt nichts mehr. Da können Sie meinen Vater fragen, aber der ist ja auch noch verheiratet und säuft.
Wo wir gerade so traulich vom Saufen, Rauchen und Poppen reden: Am 27. November 1826 erfand John Walker das Streichholz.
"Sicher. Damit ich jetzt in Ruhe arbeiten kann. Danke."
"Nein, damit für ein Gleichgewicht gesorgt ist."
"Stirb und Werde."
"Man merkt, dass dein Hirn grade im Training steht."
"Meine Finger auch."
"Um damit auf meine Eingangsfrage zurückzukommen..."
"Wooohooolf..."
"Eben. Womit wir alle Ingredienzien für einen gedeihlichen Hochzeitstag beisammen hätten: Die Antwort darauf, was man in seiner letzten Erdenstunde tun würde, ein Gleichgewicht, ein geübtes Hirn, geübte Finger, und du sagst ziemlich oft meinen Namen."
"Also recht, meine Herrn. Damit endlich Ruhe herrscht."
"Nicht Ruhe, geschätzte Grafikabteilung."
"Am hellichten Tag..."
"Richtig. Damit wir bis 22 Uhr fertig sind."
"Wieso? Dann geht's doch erst los mit den weniger jugendfreien Sachen."
"Und mit der Zimmerlautstärke."
"Wegen Gleichgewicht, ne."
"Es ist Hochzeitstag. Und Wochenend. Und Halloween."
"Zum Fürchten."
"Zum Lautsein!"
"Geschätzte Textabteilung, es ist der neunte Hochzeitstag."
"Aha. So viel weißt du noch."
"Das Hirn ist zum Neuschaffen und als Lagerhalle."
"Und als erogene Zone."
"Hey!"
"Vor neun Jahren hast du das auch noch gewusst."
"Aber nicht so pritschenbreit gesagt."
"Nein. Sondern angewandt."
"Herrschaften, nach neun Jahren..."
"Wo wir so schön im Training stehen."
"Wovon halt."
"Eine Homepage könntest du heut auch immer noch designen."
"Braucht kein Mensch mehr."
"Drei Tage nach Geocities. Zeit fürs Wesentliche."
"Ohne Comic Sans MS und tanzende Tomaten mit Sonnenbrillen."
"Wenn ich dich also mal ins Gleichgewicht nehmen dürfte."
"Wolf! Ich bin doch viel zu schwer!"
"Nicht schwerer als was du die ganze Zeit da treibst."
"Wolf! Nicht mal runtergefahren hab ich! Darf ich fragen, wo mich hinträgst?!"
"Dein Schlafzimmer, falls du dich dran erinnerst. Runterfahren musst du nicht, du musst aufdrehen."
"Sind wenigstens die Vorhänge zu?"
"Nö. Wenn ich's so offensichlich mach, zickst du mir erst recht."
"Und jetzt sind die Fenster offen?"
"Wird doch bald finster."
"Wolfwolfwolf..."
"Ganz so leise find ich jetzt auch übertrieben."
"Was hast du denn alles vor? Ganzkörper-Fishnets, die großen Duracell und neongrüner Zehennagellack sind leider aus, du Monster."
"Erzähl ruhig weiter, das dient der Stimmung. Ich such derweil auf Youtube die Playlist mit den richtigen Liedern und lass durchlaufen. Du entschuldigst kurz."
"Hast du tatsächlich die Dings..."
"Die Ich-leg-jetzt-die-Vroni-flach-CD, sag's doch ruhig, wir sind doch unter uns."
"Die hast du jetzt echt veryoutubt?"
"Du wolltest ja keine Ich-leg-jetzt-die-Vroni-flach-CD."
Melanie "Melanie" Safka beklagt sich am 19. Oktober 2009 im Münchner Metropolis: What Have They Done to My Song Ma?. Das tut sie an wechselnden Orten seit 1970 und schöpft bestimmt auch an jenem Montag in München wieder Hoffnung:
But maybe it'll all be alright, Ma,
Maybe it'll all be okay.
Well if the people are buying tears,
I'll be rich someday, Ma:
Look what they done to my song.
Aus entlegenen politischen Brennpunkten der Welt verlautet, dass die Leute da ihr Leben einsetzen, um seine Anführer wählen zu dürfen.
Ich weiß, es ist ein Blog, Aufmerksamkeitsspanne gleich null, oder zehn Sekunden, was aufs gleiche rauskommt, darum geben wir uns das nochmal: Menschen. Gehen sterben. Fürs Wahlrecht.
Nun sind wir hier weder in Afghanistan noch werden wir dort besonders eifrig gelesen (hoffe ich...), und in Deutschland setzen die Menschen lieber ihre Freizeit dafür ein, um zu begründen, warum man nicht zur Wahl gehen muss. Mäh, mäh, kann man doch eh nix ändern, diedaohm machendocheh wassewolln, was soll da meine Stimme, außerdem ist da in Walkenried Klostermarkt und in Kloster Eberbach gehobenes Saufen. Es ist nämlich ganz anders.
Hat sich was von wegen das Wahlrecht mit Füßen treten, indem man nicht hingeht, nur weil sich irgendwelche Kuffnucken genau dafür abknallen lassen. Schließlich sind früher die Leute auch beim Bärenjagen draufgegangen, und heute? Sind die Veganer die Guten. Erlegt werden allenfalls political animals, da hab ich in letzter viele gesehen: Das animal lebte biologisch noch, nur die politics waren abgestorben.
Erst vor wenigen Jahren und wenige Kilometer weiter waren Todesfälle im Einsatz für die Meinungsfreiheit zu beklagen. Was machen wir damit? Youtube gucken und Mund halten und das Rezept für Schweinsbraten aus einem C-regierten Land optimieren, hey, wir haben zwonull, Keule.
Betreiben wir Altersvorsorge? Hilfe, is mir doch viel zu riester, I only live once, baby. Aber im Ernst: Haben Sie mal überlegt, wo noch vor siebzig Jahren einer hingekommen wäre, der sich eine schwarz-rot-goldene Fahne ins Autofenster klemmt und hupend den Verkehrsfluss behindert? So gesehen ist Wählengehen tatsächlich blanker Zynismus.
Und anders gesehen? Glauben Sie mir doch sowieso nichts, weil ich meine Ratschläge nicht in gerappter Form vortragen werde und weder über einen sichtbaren Migrationshintergrund noch über Vorstrafen verfüge. Also bitte selber nachdenken, was gut ist (als Einstieg: Die Einsicht, dass ein Politiker, der Politiker geworden ist, um Politiker zu sein, vermutlich Politiker bleiben will, ist keine fortgeschrittene Denkleistung). Das ist meine einzige Wahlempfehlung. Eine dringende.
8. September 2009: Penny Thalkirchner Straße eröffnet die Weihnachtssaison von ca. 2011. Klingelingeling! Schön, das ganze Weihnachts-Bashing für heuer schon erledigt zu haben.
Das ist das leidige Neidige an der Wissenschaft: Sie hat Antworten; wir Philosophen haben immer nur Fragen; mit den Bedenken- ist es wie mit den Windelträgern.
Eine Bedienung im Nürnberger Café Express der verflossenen Neunziger hatte das verstanden. Die drehte einmal pro Schicht One of Us auf Rechtsanschlag und schmetterte in einem Bad der Ehrfurcht durch die versammelte Meute den Text von vorn bis hinten mit beeindruckender Wort- und Tonhöhensicherheit mit, und zwar ohne die Arbeit zu unterbrechen. Hefeweizen einschenken konnte sie eh nicht so richtig, dafür kam sie auf Rollschuhen zur Arbeit. Die Frage nämlich, wie Gott heißen könnte, ist mindestens so alt wie das Judentum (also schon ziemlich) — weiterführend aber zu fragen, ob man SEinen Namen auch verwenden würde, das ist in seinem Alltagsbezug sehr groß.
Philosophinnenliedchen: Joan Osborne: One of Us, aus: Relish, 1996.
Die lieb gewordene Bloggertradition, seinen Nächsten zu korrekter Ausdrucksweise anzuhalten, ist im realen Leben (was immer das ist) angekommen: Blogging makes things happen. Wir verfolgen es mit Spannung.
Typografie-Graffiti in Unterführung des Glockenbachs/München
Zu dem Thema, warum Frauen es nicht in die Chefetage schaffen, möchte ich völlig emotionslos ein Buch nennen:
Wie kitzle ich den Tiger, wenn er knurrt?" So knackt Frau den Hierarchie-Code Autor: Maria Hof-Glatz Verlag orell füssli Schweiz
Auszug:
"Steile
Hierarchien sind Systeme, die schwache Männer stützen und starke Frauen
stutzen. Männer lieben Hierarchien, denn sie geben ihnen Sicherheit und
Regeln, Strukturen und Rituale. Sie sind wie Rüstungen: Sie
signalisieren Stärke, aber sie hemmen auch und wirken abweisend."
"Frauen,
die die hierarchische Ordnung nicht kennen, und von der Empfindlichkeit
der Männer nichts ahnen, sehen nur diese Rüstung ─ und sind verführt zu
attackieren. Sie machen es dort, wo ihre weiblichen Stärken liegen: im
persönlichen Bereich, kommunikativ, und wortgewaltig. Aber um
traditionelle Konfliktformen zu durchbrechen und Hierarchien für sich
zu nutzen, müssen Frauen wissen, wie Männer und ihre Systeme
funktionieren."
Weitere Erkenntnisse aus dem Buch (ich kolportiere nur):
Der
Grund, warum es das glass cieling gibt ist, dass Frauen aufgrund ihrer
anderen Kommunikationsbereitschaft und ihrem leicht anderem Wertesystem
(privater, persönlicher, ergebnisorientierter denn statusorientiert)
mit dem männlich geprägten Hierarchiesystem (anonymer,
intransparentere, statusorientiertere Regeln) wenig anfangen können und
sich auch überflüssigerweise auch noch recht ungeschickt darin bewegen.
Sie erkennen Bluffs nicht als Bluff, sie hängen sich zu weit
und zu ungesichert aus dem Fenster und mit der Solidariät ihrer
Geschlechtsgenossinnen können sie auch nicht immer zählen. Männerkriege
werden gelassen als Hirschkämpfe wahrgenommen, die "normal" sind,
Frauenkriege werden als Zickereien wahrgenommen, die nicht "normal "
sind.
Dazu kommt eine doppelte Bewertung, der sich Männer
nicht in diesem Maß stellen müssen: Weibliche "Tomboys", also die etwas
burschikoseren Frauen, gelten als nicht weiblich genug, das gilt auch
im Business als Makel ─ die sehr weiblichen Frauen hingegen gelten
bereits von vornherein als unfähig. Das gilt als ganz großer Makel.
Übrigens sehen das auch Frauen so. Beide Makel sind von vornherein als
ganz klare Aufstiegshindernisse definiert, denn der Aufsteigende muss
makellos sein oder zumindest wirken. Frauen wirken aber in diesen
betriebssozialen Zusammenhängen meist immer mit einem der beiden Makel
behaftet, egal wohin sie tendieren. Dazu ─ oder eben als Ausgleich, um
es doch nach oben zu schaffen ─ wollen sie verstärkt und häufig leider
verbissen mit ihrer guten Fachkenntnis brillieren (welche durchaus da
ist), und das ist aber dann das endgültige Eigentor, der endgültige
Todesstoß, die Steilvorlage: Denn Hierarchie geht in
männlich-orientierten Strukturen vor Fachkenntnis. Die ach so tüchtigen
Damen sitzen in der Falle.
Und daher brauchen wir eine Abkehr
von den beinahe militärischen Hierarchiestrukturen hin zu dezentralen
Strukturen. Wie: Es müssen die Vorteile von offeneren und dezentraleren
Strukturen aufgezeigt werden. Realisierbarkeit: nicht mehr in diesem
Jahrhundert. So etwas dauert Generationen. Status: Zur Zeit wird unsere
Welt wieder eher männlich-hierarchischer.
Eine Quote wie in Norwegen WÄRE ein akzeptierbares Signal zur Umkehr. Die
Quote hat nur den Fehler, dass sie Frauen höchstens dazu bringt, in
Mengen ausgeprägt männliches Hierarchieverhalten der Topebenen zu
inhalieren und zu lernen bis zur Thatcherisierung und
Grob-Vermännlichung. Damit tut man Frauen aber keinen Gefallen. Ihre
Qualität ist eine andere Art der Machtausübung: die Macht der
richtigeren Argumente und ihrer raschen tatkräftigen Umsetzung. Da sind
Frauen gut. Nicht die männliche ranghöhere Macht von Status und
Statuserhalt, ranghöher als gute Argumente. Männer debattieren aus Lust
an der Debatte und aus Lust an Schaukämpfen. Frauen debattieren, weil
sie als erstes nützliche Ergebnisse wollen, erst dann vielleicht ein
bisschen Schau.
Und Männern tut die Quote daher auch nicht gut,
denn es tut ihnen und der krisengebeutelten Welt eher gut, von extrem
männlich-hierarchischen System WEGzukommen anstatt Frauen
daHINzubekommen, damit die ihnen in allem gleich sind und dazu auch
noch die männlichen Unarten perfektioniert haben. Solche Frauen sind
Monsterladies.
In meiner jungen, wilden Zeit frisch nach der Hochschule war Text in der Praxis ich rede jetzt nicht von wunderschönen, typografischen Ausflügen, sondern vom "Muss-Text" für mich so etwas wie eine öde zerfurchte Fläche. Text war: lästig, mein Feind. Muss-Texte waren die Seuche, sie waren die grässlichen Kratzer im Image. Sie erschwerten mir mein Grafikerleben enorm.
Bis ich meinen Mann kennenlernte.
Ab da verstand ich langsam, dass Text guter Text das schlüssige Bild im Kopf ist. Ohne das weder eine Konzeption noch eine kurze Copy etwas Gescheites wird.
Mittlerweile fange ich gar kein Design mehr an, ohne zuerst die Dinge mit Worten zu beschreiben, zu erklären, zu drehen, zu wenden, ins Licht zu halten, neu zu formen. Die bildhaften Assoziationen, die dabei herauskommen, sind wunderbarer Nährboden für Geschichten und deutlich mehr Gestaltungsideen als vorher.
Die Akquise-Flucht in das ─ vermutet ─ anonymere und in das ─ vermutet ─ weniger anstrengende, reine, herrlich klare Internet halte ich für ein starkes Motiv vieler, die im Internet ein Geschäft aufmachen wollen. Der Traum vom Perpetuum Mobile, von dem Ding, das von alleine vollautomatisch Geld verdient und kein Personal braucht! Wunderschön deutlich scheinende Trackingzahlen! Alles läuft anscheinend von alleine, das Serverchen brummt, das wiegt in Sicherheit. Auch in Sicherheit vor lästigen Kunden?
Habe ich von Auftraggebern schon gehört, die sich scheuen, ins Getümmel des Lebens zu
gehen, dass "man keine Lust mehr habe", sich im echten Leben mit
Klingelputzen und anstrengender ungewisser Real-Akquise, quengelnden Interessenten menschlich
herumzuplagen. Real-Akquise wird als menschliche Plage empfunden.
Dauernd akquirieren zu müssen wird zudem noch als hoher Kostenfaktor, id
est: unwirtschaftlich betrachtet. Reine Finanzleute unter meinen Kunden
sehen das oft so.
Internet-Shop aufmachen, die Leute sollen dich
da das Produkt kaufen oder downloaden, kein Rumdiskutieren wie im Laden
und Tschüss... :-))
Die Frage ist: Ist es ein sehr kluges Motiv? Und
muss man nicht auch im Netz als Shopbetreiber freundlich und geduldig auf Kundenfragen
antworten, sich um Zulauf und Akquise kümmern. Die alte unsinnige
Faul-Idee: Zielgruppe sei, wer sich - ausversehen?- in den E-Shop
verläuft, ist ebenfalls nicht auszurotten: 1. Hauptirrtum. Nur so ganz nebenbei.
Das Motiv ist nicht klug, aber es ist da ─
ich weiß es, ich höre es oft.
Doch das Netz ist nicht minder
anstrengend als am Verkaufstresen zu diskutieren oder als Kaltanrufe zu machen.
Nur anders anstrengend, anders expensiv (Kosten jetzt). Internet, das gut läuft, kost'
net nix. 2. Hauptirrtum vieler hoffnungsvoller Aspiranten.
Wer da
Erfolg haben will, muss sehr wohl investieren ─ nicht zu knapp. Mit
seinen Kunden reden, verhandeln und kann sich nicht als hohler Avatar zurückziehen.
Märkte sind Gespräche (Cluetrain), gerade im Netz. Und keine von allein sprechenden Plakate. Gerade da, wo der
Wettbewerb dicht wird. Wer Gespräche als anstrengend empfindet, wird
auch im Netz nix reißen.
Ein akquirieren müssendes Unternehmen (und das sind 99%) muss sich gar
nicht überlegen, wo es denn besser aufgestellt wäre, was denn strategisch
mehr Sinn gäbe. Oft gibt es die Frage, was ist besser gar nicht: Man muss beides machen. Weil die Menschen, ob jung oderälter mittlerweile sich beide in beiden Welten bewegen. Cross eben. Für den der Cross für Schoko-Chips hält
:- ): Marketing/Akquise-Mix Offline und online. Der Mix bringt am meisten.
Liebes Finanzamt, bin ja schon drüber. Leider hast du mir immer noch nicht gesagt, ob man als Kreativer seine Gummibärchen-Miezen als Betriebsausgabe absetzen kann, weil Standard-Nahrung zur Kreativaufrechterhaltung. Meine Anfrage, ob unsere Betriebskatze Moritz als festangestellter Mitarbeiter "Einsatzgebiet Motivation und Blutdrucksenkung" oder eher als Mouselancer einzustufen ist, hast du auch noch nicht beantwortet. Also wie jetzt.
Kreative sind ja so sensible Menschlein. Die Juliaschwemme von vor zwanzig Jahren ist jetzt erwachsen und auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Und jetzt braucht sie einen USP. Wenn schon keinen positiven, wenigstens einen hilfesuchenden. Wozu hat man was Heiratsträchtiges im Einzelhandel gelernt:
Kreative sind ja so sensible Menschlein. Und ich erst. Schau meinen Kassenzettel an: Ui. Wer kauft denn sowas. HEFI PAPRIKASAU. Vergleich mit den erbeuteten Schätzen: Heringsfilets in Paprikasauce. Große Erleichterung.
Das hier ist das Freitag!-LOGBUCH, auf dem wir von unserem Text- und Corporate-Design-Agenturleben in München berichten. Gemeinsam geschrieben und liebevoll bewirtschaftet von Vroni, Diplom-Designerin, und Wolf Gräbel, M. A., Text.
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Unsere handwerklichen Leisten sind Copytext, Literatur und Design. Darum geht es auch in diesem Logbuch unseres Designbüros. Wir reden hier über unseren Job, über Text, Copywriting, Corporate Design und was uns zu diesen Themen bewegt. Damit bestehende Kunden und Menschen, die an unserer Arbeit interessiert sind, wissen wie wir ticken.
Unser Grafikbüro empfiehlt keine fremden Dienstleistungen & Produkte verdeckt. Wir beraten Sie in unserem Fach Marketing, Design und Text grundsätzlich ergebnisoffen. Das heißt, wir nehmen keine Rücksicht auf unser eigenen verkäuferischen Interessen. Wenn Sie für Ihre Firma keine Flyer brauchen, sondern besser beispielsweise vernünftige PR, so sagen wir das, deutlich. Das Resultat muss zu Ihnen passen. Aber wir beraten nicht hier auf dem Blog, weil wir Beratung und Analyse nicht als Gratis-Köder zum Kundenfang sehen, sondern als komplexe Dienstleistung, die es nicht umsonst geben kann. Wir bitten dafür um Verständnis. Alle unsere Beiträge geben unsere subjektive, manchmal sehr persönliche Meinung wider, die bei Fachthemen fachlich geprägt ist. Manchmal sind wir verschiedener Meinung und kabbeln, das betrachten wir jedoch nicht als Schwäche, sondern als notwendige Weiterentwicklung. Wir freuen uns, wenn Sie das auch so sehen.
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Was tun? Pech? Warum finden Sie nicht sofort, was Sie suchen? Komische Baustelle, seltsame Anordnung? Abhauen? Dableiben und sich trotz Zeitnot einen Wolf lesen?
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DIE LÖSUNG: Diesen FAQ lesen! Es muss sein :-)
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Warum ist das hier ein Weblog, warum reicht uns der Stress und das Hosting unserer Websiteauftritte nicht :-) ?
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Ein Weblog ist ähnlich einem Forum und lebt - im Unterschied zu einer statischen Website - von der anglophilen und sehr demokratischen Idee des "free speech" und den tatsächlichen, spontanen Kommentaren seiner Leser. Die von uns zügig beantwortet werden. Kommentieren Sie, sagen Sie, was Ihnen zu den Beiträgen und seinen Inhalten einfällt, was Ihnen gefällt, was Ihnen nicht gefällt. Das ist der Grund, warum es dieses Blog hier gibt. Auf einer Website kann man nicht kommentieren, nützen Sie die Gelegenheit hier. Sie werden nicht gesteinigt, Ihre Meinung ist uns willkommen, egal welche.
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Im Augenblick hat unser Blog täglich um die 200 Leser. Es wird von zwei Autoren geschrieben, lebt seit Oktober 2005 und hat seitdem über 200 Fachbeiträge. Das ist für ein persönlich geführtes Fachblog zu "Grafik-Design und Text" recht anständige Mittelklasse.
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Was soll ein Weblog überhaupt oder - kürzer - ein Blog?
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Ein Weblog ist ein digitales Journal, das von immer wieder neuen, oben liegenden Einträgen lebt. Es basiert auf einer bedienungsfreundlichen CMS (Content Management System)-Software, wird am Computer direkt eingegeben und sofort im World Wide Web veröffentlicht. Ein Weblog ist ein Periodical, hat aktuelle, tägliche oder wöchentliche neue Einträge, die sich zu aktuellen Themen und Befindlichkeiten äußern, von denen die jüngsten zuoberst liegen, die älteren Beiträge folgen chronologisch geordnet danach. Am besten, Sie denken dabei an ein Forum.
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Was ist ein Weblog nicht?
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Dieses Blog ist/hat nicht: die gewohnte statische Struktur einer geschäftlichen Website mit "Über uns", "Philosophie", "Presse" undsoweiter. Daher ist das Blog auch anders zu lesen.
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