logo24.de (Logos ab 49,00 Euro) und wundersame Versprechungen
Und die gehen so:
(Auszug):
Sie möchten von Design-Profis Ihr Logo erstellen lassen, ohne dafür ein Vermögen zu bezahlen?
Interessanter kompetitiver, aber leider unwahrer und sehr unfairer Konkurrenz-Ansatz gegenüber Einzel-Designern und Designbüros, die vernünftige Logos bauen (die eine Aussage und einen Sinn ergeben und nicht nur gefällig sind) und vernünftig kalkulieren müssen, da sie Familie haben, Steuern bezahlen müssen und Leute beschäftigen.
Klartext und die Wahrheit: Ein Vermögen ist relativ, es kann sein
das, was die Erbtante hat, geht für Hungerleider aber schon ab 300,00
Euro los und für Erbschleicher langsam ab dem Preis für einen SUV. Die Logos dieser normale Stundensätze kalkulierenden und seriös arbeitenden Designer mit Semiotik-Expertise kosten im Gegenteil kein wie auch immer geartetetes Vermögen, sondern Netto vor späterer Verwendung und etwaigen Nutzungsrechten bei kleinen Designbüros etwa zwischen 800,00 und ca. 2000,00 Euro. Wenn das bereits für einen hoffnungsfrohen Gründer, der seinen BMW-Geschäftsführerwagen schon eingepreist hat, aber die Kosten für die Putzfrau vergisst^^ ein Vermögen sein soll, möge er bitte seine komplette Geschäftsidee überprüfen, ob er für sie überhaupt irgendwelche Marketingkosten eingeplant hat und sich leisten kann. Er wird sie sich leisten können müssen, denn sonst wird es hinten am dicken Ende teuer. Ein schöner englischer Claim bringt das gut zum Ausdruck: "Can you afford not to afford it?"
Nur für kluge Rechner und Leute, die wissen, was ROI ist, die anderen sollen sich besser jetzt ein Youtube-Filmchen reinziehen: Logo- und Folgemarketingkosten sind rasch wieder refinanziert und drüber hinaus, wenn die Logos zusammen mit der Geschäftsidee stimmig sind, sitzen, und von der angepeilten Zielgruppe klar erfasst, verstanden und erinnert werden - also merkfähig und nicht nur gefällig sind.
So gesehen ist logo24.de die ideale Geschäftsidee. Für Nachfrager, die in ihrem Marketing (wie muss ich was draußen anbieten, damit es nachgefragt wird) vermutlich nicht nachgedacht haben, sondern augenscheinlich autistisch ihren eigenen Geschmack als Maß aller Dinge wähnen. Auch hier Glückwunsch an logo24.de, der Nachfrage-Markt diesbezüglich ist riesig, denn es gibt ihrer viele. www.logo24.de hat, was das betrifft, seine BWL-Hausaufgaben sehr wohl gemacht, Hutzieh, seine Kundschaft aber macht meist keine, das ist der Trick, der funktioniert.
* * *
Ein bisschen Kopfzerbrechen - aber nur ein bisschen - macht mir nur, was denn die Grafiker kriegen, die von logo24.de und ähnlichen Plattformen bezahlt werden. Mehr als ein Hungerlohn kann es nach meiner Einschätzung nicht sein, also auch hier: logo24.de hat wohl seinen Lieferantenmarkt gut erkannt: die sich gegenseitig auf die Füße trampelnden Grafiker. Die meisten Grafiker und künstlerischen Berufe können nach meinem Dafürhalten entweder nicht rechnen, buchhalten, kalkulieren und gezielt akqirieren (das konnten sie noch nie, das weiß ich seit dem Studium) oder stecken vermutlich eh schon tief in der Krisen-Defensive - oder meist alles auf einmal.
Weitere werbliche Argumentation von logo24.de:
(Auszug)
Dann sind Sie hier richtig, denn wir entwerfen preiswerte Logos für über 1.500 Kunden pro Jahr! Firmenlogos, Produktlogos, Vereinslogos, Schullogos, Bandlogos, Privatlogos u.v.m. Individuell, exklusiv und kreativ - das ist professionelles Logodesign!
Werbeblabla: Ein sauberer Zirkelschluss mit vagen Adjektiven, der nicht stimmt. Professionelles Logodesign ist nicht "individuell" (geschmäcklerisch-eitel, wie ein Armband mit Gravur es sein könnte), sondern es muss sein: wiedererkennbar, merkfähig. Dazu braucht es über die vorhanden sein sollende Kreativität hinaus (Kardinaltugend, muss eh sein) Erfahrung, Expertise vom Designer über bewusste und unbewusste Wahrnehmung von Information, ihre Prinzipien und Expertise über die Semiotik (die Bedeutung von Zeichen, Zeichensprache und Zeichenprozessen).
"Exklusiv" ist es auch nicht bei logo24.de. Was bitte an 49,00 € ist exklusiv. Nach meiner unmaßgeblichen Einschätzung haben die Grafiker, die das machen, im Vorfeld zig Raster und Blankomuster (wie der Fernsehkoch den ruhen gelassenen Teig, die feingehackten Zwiebeln, die vorgeschnittenen feinen Julienne-Streifen: "Da habe ich ein klein wenig für Sie vorbereitet, ..." und schwupps ist sein Menue fertig, das der Hausfrau locker 1 Stunde mehr kostet als geguckt. Ein Menue ist aber das eine, nach fertigem Rezept gekocht, ein Logo aber muss eine Innovation sein). Sonst zeitlich in einer Stunde (im Vergleich: Gesellenpreis im Handwerk: 1 Stunde à 45,00 Euro) unattraktiv und wirtschaftlich kaum zu schaffen. Den Rest der "Individualität" erledigen mit allergrößter Vermutung modifizierte Farbgebung, leicht geänderte Anordnung der Elemente, ein fertiger Katalog von trendigen Schriften, egal ob sie passen oder nicht und diverse Illustrator-Plugins und Filter. Hauptsache, netter Effekt. Den neuen Firmennamen eingesetzt, einen hübschen Bogen drunter oder drüber, fertig. Wollen wir wetten?
Wenn das so ist, ist das aber nicht exklusiv, sondern oberflächlich, pseudo-exklusiv nach Fertigbaukasten (wird beim Webdesign genauso gemacht, da kann ich aus dem Nähkästchen berichten), billig und austauschbar: Ich kann Ihnen aus dem Stand und ohne jegliches Briefing viele solcher netten Logos machen, sind in einer Stunde fertig. Ich tue es aber nicht, weil das Betrug wäre. Betrug am Kunden, denn ich plündere damit nur meine formalen Sammlungen für einen Appel, ein Ei und Beliebigkeit. Geschäftlich geholfen ist dem Kunden leider mit so etwas nicht, meist geschadet, da undurchdacht: Den Dingern fehlt einfach die echte Einzigartigkeit, die inhaltliche Substanz und die Relevanz zum Zielmarkt.
Fazit:
Für ein Privatlogo fürs Blogtagebuch, die Privatkorrespondenz, für den Verein für graue Tauben im Sinkflug e.V., oder ein kleines Standard-Handwerksunternehmen von mir aus. Tun Sie, was Sie nicht lassen können :-).
Meine Empfehlung: Für ein neues Firmenlogo, ein Produktlogo: Hände weg!
Disclosure:
Nein, ich bin nicht futterneidig auf logo24.de. Die Firmenauftraggeber/Gründer, die sich für clever halten und solche wie logo24.de beauftragen, muss man als kluger Designer dem Mitbewerb (euphemistisch-neudeutsch für Konkurrenz) überlassen. Denn dieser Mitbewerb und diese Kunden, sie werden sich gegenseitig in feinster Schluderarbeit unprofessionell selber erledigen.
Man nennt das exitorientiert.
:-D
Wer nicht exitorientiert ist, sondern aus Fehlern anderer lernen möchte:
Warum Startups scheitern
Die häufigsten Fehler im Businessplan
Schönes (im Sinne von zutreffend) Beispiel.
Das Konzept nennt man auch "Crowdsourcing". Es rechnet sich, obwohl es viele hoffen, für den arbeitenden "Stundenlöhner" meist nicht, und führt auch noch zur Entwertung des Wertes der betreffenden Arbeit insgesamt.
Kommentiert von: Andreas | Mittwoch, 02. Januar 2008 um 08:42 Uhr
Danke, Andreas, das Wort "Stundenlöhner" trifft es gut. Das Geschäftskonzept dahinter heißt dann AAL (Andere Arbeiten Lassen) und ist der neue Versuch, seit dem Crash der New Economy, die Gelddruckmaschine neu zu erfinden. Bei ebay hat's geklappt, seitdem versuchen Epigonen unermüdlich Ähnliches, als ginge es um Shangri La oder um den Gral.
Wobei "crowdsourcing" gedacht ist (war) als auf die Intelligenz und Arbeitskraft der Masse bauendes Prinzip. Bei "Intelligenz" bin mir aber nicht mehr so sicher.
Kommentiert von: Vroni | Mittwoch, 02. Januar 2008 um 13:45 Uhr
Ich bin leider so ein dummer Kunde von Logo24.de. Die "Anfertigung" ist noch nicht beendet, aber ich bin damit fast am Ende und VÖLLIG unzufrieden. Kein Wunder, wenn man die Argumente hier so liest.
ABER - ich hatte mich außerdem für Logo24 entschieden, weil ich die Referenzen sehr gut fand, was man von vielen anderen Anbietern nicht sagen kann ...
Trotz allem ist von solchen Billig-"Anbietern" abzuraten. Billig bekomme ich auch um die Ecke. Ein Logo als Wiedererkennungswert ist jedenfalls von diesem Anbieter nicht zu erwarten. Schade, dass ich diesen Artikel erst heute gefunden habe ...
Kommentiert von: Norman Thiel | Mittwoch, 07. Mai 2008 um 21:20 Uhr
Ist es das Logo auf uteel.com?
Da wäre mehr gegangen. Wenn ich an (Blueberry) Exchange denke, kann ich mir da was edles Typografisches im Logo mit den beiden e vorstellen: ein e in die Leserichtung und ein e in die Rückwärtsrichtung. Nur als Beispiel. Oder eine stilisierte Brombeere... :-)
Die Referenzen auf logo24 sehen auf den ersten Blick tatsächlich gut aus. (Sie wären auch blöd, ausgerechnet ihre weniger gelungenen rein zu stellen).
Was den Unterschied für Sie hinterher wahrscheinlich machte, ist der Unterschied zwischen einer irgendwie halbwegs gut aussehenden Vignette (Logo24) und der Gestaltung eines Markenzeichens, die sich wirklich mit der Aussage oder Produkt (Software als bequemes Verbindungsstück, zwischen Brombeere und Mail) und/oder der einzigartigen Wirkweise des zu bestückenden Unternehmens beschäftigt. Nur letzteres Zeichen ist "unique", ein "Branding" (Brandzeichen auf dem Rind...)
Cowgirlgrüße
Kommentiert von: Vroni | Mittwoch, 07. Mai 2008 um 21:31 Uhr