Die Frage hat es in sich.
Die Akquise-Flucht in das ─ vermutet ─ anonymere und in das ─ vermutet ─ weniger anstrengende, reine, herrlich klare Internet halte ich für ein starkes Motiv vieler, die im Internet ein Geschäft aufmachen wollen. Der Traum vom Perpetuum Mobile, von dem Ding, das von alleine vollautomatisch Geld verdient und kein Personal braucht! Wunderschön deutlich scheinende Trackingzahlen! Alles läuft anscheinend von alleine, das Serverchen brummt, das wiegt in Sicherheit. Auch in Sicherheit vor lästigen Kunden?
Habe ich von Auftraggebern schon gehört, die sich scheuen, ins Getümmel des Lebens zu gehen, dass "man keine Lust mehr habe", sich im echten Leben mit Klingelputzen und anstrengender ungewisser Real-Akquise, quengelnden Interessenten menschlich herumzuplagen. Real-Akquise wird als menschliche Plage empfunden. Dauernd akquirieren zu müssen wird zudem noch als hoher Kostenfaktor, id est: unwirtschaftlich betrachtet. Reine Finanzleute unter meinen Kunden sehen das oft so.
Internet-Shop aufmachen, die Leute sollen dich da das Produkt kaufen oder downloaden, kein Rumdiskutieren wie im Laden und Tschüss... :-))
Die Frage ist:
Ist es ein sehr kluges Motiv?
Und
muss man nicht auch im Netz als Shopbetreiber freundlich und geduldig auf Kundenfragen
antworten, sich um Zulauf und Akquise kümmern. Die alte unsinnige
Faul-Idee: Zielgruppe sei, wer sich - ausversehen?- in den E-Shop
verläuft, ist ebenfalls nicht auszurotten: 1. Hauptirrtum. Nur so ganz nebenbei.
Das Motiv ist nicht klug, aber es ist da ─ ich weiß es, ich höre es oft.
Doch das Netz ist nicht minder anstrengend als am Verkaufstresen zu diskutieren oder als Kaltanrufe zu machen. Nur anders anstrengend, anders expensiv (Kosten jetzt). Internet, das gut läuft, kost' net nix. 2. Hauptirrtum vieler hoffnungsvoller Aspiranten.
Wer da Erfolg haben will, muss sehr wohl investieren ─ nicht zu knapp. Mit seinen Kunden reden, verhandeln und kann sich nicht als hohler Avatar zurückziehen. Märkte sind Gespräche (Cluetrain), gerade im Netz. Und keine von allein sprechenden Plakate. Gerade da, wo der Wettbewerb dicht wird. Wer Gespräche als anstrengend empfindet, wird auch im Netz nix reißen.
Ein akquirieren müssendes Unternehmen (und das sind 99%) muss sich gar nicht überlegen, wo es denn besser aufgestellt wäre, was denn strategisch mehr Sinn gäbe. Oft gibt es die Frage, was ist besser gar nicht: Man muss beides machen. Weil die Menschen, ob jung oderälter mittlerweile sich beide in beiden Welten bewegen. Cross eben. Für den der Cross für Schoko-Chips hält :- ): Marketing/Akquise-Mix Offline und online. Der Mix bringt am meisten.
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