Typografie-Graffiti in Unterführung des Glockenbachs/München
Zu dem Thema, warum Frauen es nicht in die Chefetage schaffen, möchte ich völlig emotionslos ein Buch nennen:
Wie kitzle ich den Tiger, wenn er knurrt?"
So knackt Frau den Hierarchie-Code
Autor: Maria Hof-Glatz
Verlag orell füssli Schweiz
Auszug:
"Steile Hierarchien sind Systeme, die schwache Männer stützen und starke Frauen stutzen. Männer lieben Hierarchien, denn sie geben ihnen Sicherheit und Regeln, Strukturen und Rituale. Sie sind wie Rüstungen: Sie signalisieren Stärke, aber sie hemmen auch und wirken abweisend."
"Frauen, die die hierarchische Ordnung nicht kennen, und von der Empfindlichkeit der Männer nichts ahnen, sehen nur diese Rüstung ─ und sind verführt zu attackieren. Sie machen es dort, wo ihre weiblichen Stärken liegen: im persönlichen Bereich, kommunikativ, und wortgewaltig. Aber um traditionelle Konfliktformen zu durchbrechen und Hierarchien für sich zu nutzen, müssen Frauen wissen, wie Männer und ihre Systeme funktionieren."
Weitere Erkenntnisse aus dem Buch (ich kolportiere nur):
Der Grund, warum es das glass cieling gibt ist, dass Frauen aufgrund ihrer anderen Kommunikationsbereitschaft und ihrem leicht anderem Wertesystem (privater, persönlicher, ergebnisorientierter denn statusorientiert) mit dem männlich geprägten Hierarchiesystem (anonymer, intransparentere, statusorientiertere Regeln) wenig anfangen können und sich auch überflüssigerweise auch noch recht ungeschickt darin bewegen.
Sie erkennen Bluffs nicht als Bluff, sie hängen sich zu weit und zu ungesichert aus dem Fenster und mit der Solidariät ihrer Geschlechtsgenossinnen können sie auch nicht immer zählen. Männerkriege werden gelassen als Hirschkämpfe wahrgenommen, die "normal" sind, Frauenkriege werden als Zickereien wahrgenommen, die nicht "normal " sind.
Dazu kommt eine doppelte Bewertung, der sich Männer nicht in diesem Maß stellen müssen: Weibliche "Tomboys", also die etwas burschikoseren Frauen, gelten als nicht weiblich genug, das gilt auch im Business als Makel ─ die sehr weiblichen Frauen hingegen gelten bereits von vornherein als unfähig. Das gilt als ganz großer Makel. Übrigens sehen das auch Frauen so. Beide Makel sind von vornherein als ganz klare Aufstiegshindernisse definiert, denn der Aufsteigende muss makellos sein oder zumindest wirken. Frauen wirken aber in diesen betriebssozialen Zusammenhängen meist immer mit einem der beiden Makel behaftet, egal wohin sie tendieren. Dazu ─ oder eben als Ausgleich, um es doch nach oben zu schaffen ─ wollen sie verstärkt und häufig leider verbissen mit ihrer guten Fachkenntnis brillieren (welche durchaus da ist), und das ist aber dann das endgültige Eigentor, der endgültige Todesstoß, die Steilvorlage: Denn Hierarchie geht in männlich-orientierten Strukturen vor Fachkenntnis. Die ach so tüchtigen Damen sitzen in der Falle.
Und daher brauchen wir eine Abkehr von den beinahe militärischen Hierarchiestrukturen hin zu dezentralen Strukturen. Wie: Es müssen die Vorteile von offeneren und dezentraleren Strukturen aufgezeigt werden. Realisierbarkeit: nicht mehr in diesem Jahrhundert. So etwas dauert Generationen. Status: Zur Zeit wird unsere Welt wieder eher männlich-hierarchischer.
Eine Quote wie in Norwegen WÄRE ein akzeptierbares Signal zur Umkehr.
Die
Quote hat nur den Fehler, dass sie Frauen höchstens dazu bringt, in
Mengen ausgeprägt männliches Hierarchieverhalten der Topebenen zu
inhalieren und zu lernen bis zur Thatcherisierung und
Grob-Vermännlichung. Damit tut man Frauen aber keinen Gefallen. Ihre
Qualität ist eine andere Art der Machtausübung: die Macht der
richtigeren Argumente und ihrer raschen tatkräftigen Umsetzung. Da sind
Frauen gut. Nicht die männliche ranghöhere Macht von Status und
Statuserhalt, ranghöher als gute Argumente. Männer debattieren aus Lust
an der Debatte und aus Lust an Schaukämpfen. Frauen debattieren, weil
sie als erstes nützliche Ergebnisse wollen, erst dann vielleicht ein
bisschen Schau.
Und Männern tut die Quote daher auch nicht gut, denn es tut ihnen und der krisengebeutelten Welt eher gut, von extrem männlich-hierarchischen System WEGzukommen anstatt Frauen daHINzubekommen, damit die ihnen in allem gleich sind und dazu auch noch die männlichen Unarten perfektioniert haben. Solche Frauen sind Monsterladies.
Das würde doch aber nahelegen, dass Frauen eigene Unternehmen gründen. Es gibt ja geeignete Rechtsformen, Genossenschaften sind nur eine davon. Die Anteilseigner und Führungskräfte bestimmen die Unternehmenskultur. Am Kapital kann's heute nicht mehr liegen, es gibt eine Menge Vermögen in der Hand von Frauen. Warum geschieht das nicht?
Kommentiert von: stefanolix | Sonntag, 30. August 2009 um 06:19 Uhr
@ Stefanolix
Reichtumsstudie
Männer haben doppelt so viel Geld
"Detailliert wie selten zeigt eine neue Studie, wie ungleich Vermögen in Deutschland verteilt ist. Die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung verfügen über zwei Drittel der Rücklagen, die Hälfte der Bürger hat so gut wie gar keine. Außerdem besitzen Frauen im Durchschnitt nur halb so viel Vermögen wie Männer."
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,515822,00.html
Du siehst also, wo die Kohle liegt.
Next:
Gründer
Männer sind optimistisch, Frauen kritisch
Noch immer wagen mehr Männer den Sprung in die Selbständigkeit als Frauen. Laut KfW ist das vor allem eine Frage der Einstellung.
"Mittlerweile sind 41 Prozent aller Existenzgründer Frauen, wie der aktuelle Gründungsmonitor der KfW-Bankengruppe ergab. Auch wenn sich in den vergangenen 30 Jahren immer mehr Frauen in die Selbständigkeit trauten, haben die Männer noch die Nase vorn. Warum ist das so? Auf den ersten Blick lässt sich die Frage nicht beantworten, denn männliche wie weibliche Gründer sind ähnlich gut ausgebildet und bringen auch Voraussetzungen wie eine höhere Risikobereitschaft, Innovationsfähigkeit und Kreativität mit.
[..]
Die kritischen Frauen
Erst der zweite Blick macht die Unterschiede zwischen Gründern und Gründerinnen deutlich: Männer, die sich selbständig machen schätzen das Gründungsumfeld generell deutlich positiver ein, ebenso hoch bewerten sie ihr Ansehen als Unternehmer. Die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sehen sie optimistischer. Ganz anders die Frauen: Viele sind selbstkritisch und bezweifeln, ob sie imstande sind, sich selbständig zu machen. Auch setzen sie das Image eines Gründers nicht so hoch an wie die Männer. Das hat zur Folge, dass sich weniger Frauen selbständig machen."
Quelle: http://www.computerwoche.de/karriere/freiberufler/1903628/
Wenn ich sehe, wie manche Männer gründen, nämlich mit Hurra, Hybris, Inkompetenz und fettem Dienstwagen frisch hinein in die Insolvenz, dann gründen die vorsichtigeren Frauen im Vergleich besser. Wenn sie dann auch mehr Kapital zur Verfügung hätten, wäre das das Optimum. Denn was die kritischeren Frauen gründen, hält laut Statistik länger.
Kommentiert von: Vroni | Sonntag, 30. August 2009 um 12:31 Uhr