Aus entlegenen politischen Brennpunkten der Welt verlautet, dass die Leute da ihr Leben einsetzen, um seine Anführer wählen zu dürfen.
Ich weiß, es ist ein Blog, Aufmerksamkeitsspanne gleich null, oder zehn Sekunden, was aufs gleiche rauskommt, darum geben wir uns das nochmal: Menschen. Gehen sterben. Fürs Wahlrecht.
Nun sind wir hier weder in Afghanistan noch werden wir dort besonders eifrig gelesen (hoffe ich...), und in Deutschland setzen die Menschen lieber ihre Freizeit dafür ein, um zu begründen, warum man nicht zur Wahl gehen muss. Mäh, mäh, kann man doch eh nix ändern, diedaohm machendocheh wassewolln, was soll da meine Stimme, außerdem ist da in Walkenried Klostermarkt und in Kloster Eberbach gehobenes Saufen. Es ist nämlich ganz anders.
Hat sich was von wegen das Wahlrecht mit Füßen treten, indem man nicht hingeht, nur weil sich irgendwelche Kuffnucken genau dafür abknallen lassen. Schließlich sind früher die Leute auch beim Bärenjagen draufgegangen, und heute? Sind die Veganer die Guten. Erlegt werden allenfalls political animals, da hab ich in letzter viele gesehen: Das animal lebte biologisch noch, nur die politics waren abgestorben.
Erst vor wenigen Jahren und wenige Kilometer weiter waren Todesfälle im Einsatz für die Meinungsfreiheit zu beklagen. Was machen wir damit? Youtube gucken und Mund halten und das Rezept für Schweinsbraten aus einem C-regierten Land optimieren, hey, wir haben zwonull, Keule.
Betreiben wir Altersvorsorge? Hilfe, is mir doch viel zu riester, I only live once, baby. Aber im Ernst: Haben Sie mal überlegt, wo noch vor siebzig Jahren einer hingekommen wäre, der sich eine schwarz-rot-goldene Fahne ins Autofenster klemmt und hupend den Verkehrsfluss behindert? So gesehen ist Wählengehen tatsächlich blanker Zynismus.
Und anders gesehen? Glauben Sie mir doch sowieso nichts, weil ich meine Ratschläge nicht in gerappter Form vortragen werde und weder über einen sichtbaren Migrationshintergrund noch über Vorstrafen verfüge. Also bitte selber nachdenken, was gut ist (als Einstieg: Die Einsicht, dass ein Politiker, der Politiker geworden ist, um Politiker zu sein, vermutlich Politiker bleiben will, ist keine fortgeschrittene Denkleistung). Das ist meine einzige Wahlempfehlung. Eine dringende.
Karstadt schließt. Wie gewöhnlich um 20.00 Uhr, jetzt dann bald für immer.
Sperrt Karstadt jetzt zu? Nein, die Filialen bleiben in vollem Umfang geöffnet, verspricht der Konzern.
Ja, klar. Wer der Fronleichnamsausgabe der Abendzeitung nicht glauben wollte (Seite 2).
Selbst wenn wir nie was dort gekauft haben, weil wir gleich in die Apotheke gekonnt hätten: Karstadt wird uns fehlen. Das haben sie davon, dass sie perfekt funktionierende Häuser, in denen man Sachen kaufen kann, vulgo "Kaufhäuser", in "Erlebniswelten" umbauen mussten: eine Krise. Seitdem fallen jeden Samstag erlebnishungrige Bauern aus Münchner Vororten wie Aschheim, Augsburg, Ingolstadt, Landshut, Unterhaching und Vaterstetten (alphabetisch) über die paar Quadratmeter um den Marienplatz her und grabbeln in reduzierten Büstenhaltern. Ihr Geld überlassen sie der Tankstelle.
Dreißig Jahre ist es her, da hat mein Schulkumpel im Nürnberger Karstadt ein Federmäppchen geklaut, um den elterlichen Zuschuss für Wichtigeres zu sparen, der konnte zu Hause was erleben. So sah die Erlebniswelt Karstadt aus, und alle waren glücklich (außer meinem Kumpel). Nach Ende des Mietvertrags 2010 werden die zwei Karstadt-Häuser in der Münchner touristischen Rennmeile erwartbar in Parkhäuser oder Sammelgebäude für Dönerbratereien und Taschengeldwaschanlagen für ephemere Plastikscheiße umgebaut.
the missing link, Ihre Lieblingsagentur für brauchbare Konsumgüter, wird von Karstadts Dahingang einschneidend betroffen. Dort gab es nämlich die einzigen zurechnungsfähigen Briefumschläge, die ich kenne: 50er-Packungen Versandtaschen etwas größer als DIN A4, reinweiß und nicht im gängigen Braun von Umzugskartons, die schon in drei Kiffer-WGs als Kleiderschrank gedient haben, die Lasche lang genug, dass man ohne Verzweiflungsakt eine vollständige Präsentation darin verschließen kann, eine Gummierung, der man nur von weitem die Zungenspitze zeigen muss, damit sie unbarmherzig zuklebt, und als Alleinstellungsmerkmal: die Öffnung an der Längsseite!
Seit ich diese Umschläge kenne, ist mir ein Rätsel, wie irgend ein anderer Anbieter auf dem Schreibwarenmarkt je die Öffnung an der kurzen Seite anbringen konnte. Sie tun es alle.
Die einzigen Umschläge, für die wir regelmäßig Rückmeldung bekommen haben: Die sind ja klasse, wo haben Sie die her, die kann man ja richtig benutzen, sehen auch ganz edel aus, muss ich haben, warum sind nicht alle so? Meine Textaufträge für Bewerbungsschreiben schlossen immer auch die dringende Empfehlung ein, die Bewerbungsunterlagen in den längsgeöffneten weißen A4-Versandtaschen von Karstadt und keinen anderen zu verschicken, und was soll ich sagen: Die Leute wurden einer nach dem anderen genommen. Das sage ich, ohne meinen Anteil an diesen Erfolgen unnötig zu schmälern. Etwas scheint falsch daran oder unrentabel in der Herstellung, denn Deutschlands einzige diskutable Versandtaschen gibt's jetzt nicht mehr. Weder bei Karstadt noch sonstwo.
Ich war konsumwillig, ich trat auf als informierter, mündiger Verbraucher, der eine klare Vorstellung von seinen Bedürfnissen hat, und machte mich auf zu Karstadt, um seine Konkursmasse durch einen Hamsterkauf zu entlasten. Haushaltsartikel 50 % reduziert, hing überall von der Decke; Schreibwaren halten offenbar zu lange, um sie verbilligt den verstaubten Käuzen zu überlassen, die heute noch Sachen im Umschlag statt im Download verschicken wollen.
In dem Regal, in dem ich zuverlässig seit einem Jahrzehnt die Briefumschläge meines Vertrauens wusste: alles voll kackbrauner A5-Tüten mit schmaler Öffnung, die Laschen herstellerkostenbewusst gummiert und keinen Millimeter zu lang.
Der mündige, konsumbereite Verbraucher in mir fragte die Verkäuferin, übrigens nicht die übliche Alpha-Türkin beim After-Hour-Clubbing, sondern eine respektable Substitutin mit geflügelter Hornbrille. Die erinnerte sich nicht, jemals dergleichen geführt zu haben, hielt jedoch Versandtaschen wie von mir beschrieben für eine wirklich gute Idee. Sollte man sofort erfinden.
So verstärkt sich "die Krise" selbst: Mit den anstehenden 43.000 Arbeitslosen aus der Arcandor-Insolvenz ist es ja nicht getan. Der Schreibwarensubstitutin aus dem Oberpollinger-Haus am Dom wollen wir wünschen, dass sie in ihren 40 Dienstjahren schon mal einen Rentenanspruch wenigstens auf Hartz-IV-Niveau zusammengewirtschaftet hat und beim Baron von Ullmann, Mädi Schickedanz und ihresgleichen vielleicht noch ein bissel putzen gehen kann. Aber was machen die anderen 42.999 aufstrebenden Alpha-Türkinnen, Metzgermeister, Reisekauffrauen und was sich bei Karstadt alles tummeln durfte, die noch was vorhatten im Leben, wenn sie sich jetzt weiterbewerben müssen, damit der vorsortierende Praktikant den Umschlag überhaupt öffnet? Eine witzige Diddlmaus draufkleben?
Es wird gespenstisch, so ohne Karstadt. Da kann man sich ja gleich vorstellen, dass im Straßenbild plötzlich kein Opel mehr mitfährt oder... Moment...
Soundtrack: Leonard Cohen: "I fought against the bottle, but I had to do it drunk. Took my diamond to the pawn shop, but that don't make it junk", aus: Ten New Songs, 2001.
WOYZECK. Wir arme Leut. Sehn Sie, Herr Haupt mann, Geld, Geld. Wer kein Geld hat. Da setz eimal einer seinsgleichen auf die Moral in die Welt. Man hat auch sein Fleisch und Blut. Unseins ist doch einmal unseelig in der und der andern Welt, ich glaub' wenn wir in Himmel kämen so müßten wir donnern helfen.
Kennen Sie glückliche Menschen? Ich kenn nur ängstliche.
Wenn man fragt, warum auf der Welt etwas passiert, muss man einfach nur gucken: Wer verdient daran? — Sind Tiere beteiligt? Dann geht es um Reproduktion. Sind Menschen beteiligt? Dann geht es um Geld.
So einfach, dass es nervt. Komplizierter wird's aber nicht.
Nun unterscheiden wir zwei Sorten Menschen: solche mit Geld und solche ohne Geld. Dass letztere nicht glücklich, sodern ängstlich sind, sehen Sie ein. Dass erstere aber ebenfalls nicht glücklich, sondern ängstlich sind, klingt gefährlich nach Gutmenschenbinse: "Geld macht nicht glücklich", "Besitz belastet" und ähnlichen Faschistenparolen.
Stimmt trotzdem. Ich hab lange überlegt, ob ich es überhaupt so öffentlich sagen soll, aber es führt kein Weg daran vorbei: Reiche Leute sind nicht glücklich. Das Beruhigende ist: An Amnesty spenden hätte nichts genützt, Armut ist nämlich mindestens genauso scheiße. Es herrscht eine große Verschwendung an Lebensglück in der Welt.
Was dagegen hilft? Nun, Sterben wäre die eine Lösung. Die andere: Leben. Leben hat man nur eins, weil wir hier unsere Avatare nicht in der World of Warcraft rumsteuern, man sollte es also eifersüchtig ausnutzen. Also erst schießen, dann fragen. Bei Rückfragen nochmal schießen. Keine Musik hören, sondern Musik machen, das ist dann sowieso die schönste. Zehn hanebüchene goldene Regeln ausdenken und befolgen. Nur noch tun, was Sie interessiert, aber vor allem: Tun Sie es. Alle Gegenstände Ihres Haushalts, die mit einem kleinen i anfangen, den Armen spenden, vor allem den geistig Armen, die stehn da drauf. Tun Sie lieber irgendwas als gar nichts, man weiß ja auch nicht, was Aristoteles morgens um vier getrieben hat. Dann sind Sie wenigstens beschäftigt und dann lachen Sie darüber, dass Sie je an Sex und Geld interessiert waren.
Schwierig? Ach was. Gewöhnungssache wie alles andere. Wo ich Sie gerade so schön motiviert hab: Als Anfang gewöhnen Sie sich endlich das Bloggen ab. Yippie yeah.
Womit Darwin die Stürme rund um die Galápagos-Inseln witterte, könnte sich the missing link, Ihre Lieblingsagentur für wissenschaftliches Wohnen und Deep Thought Blogging, ab Weihnachten an die Wand nageln.
Das dänische Sturmglas wird seit 1750 auf Segelschiffen für die Sturmwarnung verwendet. [...] Das in dänischer Manufaktur hergestellte Glas ist heute noch ein zuverlässiges Instrument für die Wettervorhersage. Und sicher auch das geheimnisvollste.
Es besteht aus einer hermetisch abgeschlossenen Glasröhre mit einer gesättigten, farblosen Kupfersulfat- oder Campher-Alkohol-Lösung. In dieser Lösung wachsen bei Wetteränderung Kristalle. Anhand der Größe und der Form können Sie das Wetter bestimmen. Bis heute gibt es keine genaue Erklärung für die Funktionsweise. Der Wissenschaftler Hans Baumer konnte Temperatur und Druck als wesentliche Einflussfaktoren ausschließen: Er zeigte, dass die Größe der Kristalle mit dem Auftreten elektromagnetischer Längstwellen, die in Tiefdruckgebieten entstehen, zusammenhängen. Ungeachtet der Erklärung, gibt es keinen Zweifel, dass es funktioniert.
"Bis heute gibt es keine genaue Erklärung für die Funktionsweise": Für die 139 Steinchen kann man wenigstens verlangen, einen Moment lang in Ehrfurcht vor der Schönheit solcher Grenzerscheinungen zwischen Natur und Technik verharren zu dürfen. — Auch haben?
Ab Morgen den 3. Oktober ist der Film Ratatouille bundesweit in den Kinos. Es geht um eine kleine Ratte, die besser kochen kann als der Chefkoch. Hingehen! Hier der Link auf die offizielle Website: http://disney.go.com/disneypictures/ratatouille/main.html
Natürlich ist das im geistigen Nebenplot auch wieder so ein elendes, plattes "Du-kannst-alles-schaffen-wenn-du-nur-willst"-Ding, doch der kleine bepelzte Hauptdarsteller und dass es so engagiert um gutes Essen geht, macht alles wett. Die einzigen Filme ohne Ratte, die mir da einfallen und mindestens genauso gut sind, sind "Bella Martha" mit Martina Gedeck und noch ein Gourmet & Crime (sehenswert), in dem intrigante Star-Köche einander wegen eines Wettbewerbs bis aufs Blut bekämpfen und am Schluss einer von denen glasiert in der Backröhre landet. Wer weiß, wie der heißt, bitte rühren.
Da ich selber - oder besser gesagt meine Tochter - eine wunderhübsche Ratte namens Pepper plus ihrer noch putzigeren Kinder nebst den beiden Katzen, die das nicht schor - beherbergt hatte und außerdem Ratatouille in allen Variationen für mein Leben gern koche, bin ich dabei. Nicht in der Backröhre, im Film. PIXAR rocks.
Man kann es sich so schwer nicht bildlich vorstellen, wie die Kundenberater in den Werbeagenturen ihre Kreativen zu einem Meeting einbestellen, ihr Armanigewand glattstreichen und hektisch flüstern: "Wir müssen was zur Wiesn machen!"
Ach Gott, ja, die Wiesn. Schon wieder dieser Zweitfasching mitten im Weihnachtsgeschäft, ungefähr die dritte oder vierte fünfte Jahreszeit des Jahres.
"Was sollen wir denn jetzt noch machen?" heißt es da. "Eine Anzeigenstrecke wird ja jetzt wohl bissel knapp, nä."
"Blödsinn Anzeige. Print oder was! Wir leben doch nicht in den Neunzigern. Heute ist Networking, wir holen unsere Zielgruppe da ab, wo sie steht!"
"Heißt das..."
"Genau das heißt es. Wir treffen uns alle nach der Arbeit am Wiesn-Haupteingang."
Damit sieht man sie aus dem Meeting-Room auseinanderstieben, wieder an den Internet-Tropf, und dann bestellen sich die kreativen Köpfe a Gwand vom Sepp aus Stamsried, der Rest, der Geld verdient, holt sich bei der Anreise schnell eine komplette Kluft beim Angermaier an der Donnersbergerbrücke, weil die ja nur eine Station von der Hackerbrücke weg ist, an der man zur Wiesn sowieso aussteigen muss, und außerdem haben die das hipste Eingangsbild auf der Site. Vor dem Meeting, nein: dem Date am Haupteingang noch schnell auf dem Klo, solange man da noch einen Platz kriegt, die Preisschilder mit dem Maniküre-Nessessär abschneiden.
Ein weiterer Vorteil an einer Zwei-Mann-Agentur: Man kann die gesamte Oktoberfestzeit entlang seiner Arbeit nachgehen. the missing link, Ihre Lieblingsagentur für Brauchtum und Fortschritt, bleibt nämlich auch heuer zu Hause; das ist ja so ein grundbayerischer Wesenszug.
Soundtrack: Haindling (Rammstein should be seen, not heard).
Lächerliche 23500 Google-Ergebnisse. Bis sich die durchsetzt, ist nicht mal eine Frage der Zeit, sondern des PR-Budgets desjenigen, der sie durchzusetzen gedenkt.
Eine Antwort an Christof Hintze zu Chancen Optionen Stärken Möglichkeiten (manueller Trackback...)
Eine reine Welt der guten, angenehmen Emotionen...
Gerade hat hier im Hinterhof jemand einen uralten italienischen Schlager aufgedreht. Hach war das herrlich. ______________________
Ich habe mich ein bisschen mit der Whitelist beschäftigt und dem
Kerngedanken daraus, dass die Menschen sich sowieso nie rein rational
entscheiden, weder zu einem neuen Tafel-Service noch zu einem neuen
Dienstleister. D*accord, schonschon.
Der gedankliche Fehler, der sich da eingeschlichen haben könnte, ist,
dass das Gegenteil von "rational" eben genau nicht nicht "emotional"
ist, sondern "irrational". Ich würde "emotional" also nicht so als
Gegensatz aufbauen (damit wird es entwertet und in Richtung irrational
getrieben), sondern als wunderbaren zweiten Verstand, der immer dazu
gehört.
Rational und emotional gehen perfekt zusammen, sie sind keine anderen Welten.
Hirnforscher wissen das.
Und wenn man das auf ein Empfehlungssystem überträgt, muss man wissen,
dass die reine Ratio (auch sie eine Fiktion, gibt es die reine Ratio?)
immer die sozial-psychologische Komponente sucht, ja dringend braucht.
Und ab da haben alle Systeme, die auf virtuellem Gebiet installiert
sind, einen horrenden Nachteil: Man kann sich nicht riechen (merken Sie
was?), man kann sich nicht spüren, man kann keine unsichtbaren, aber
genau die wichtigen Signale aussenden.
Daher ist für mich ein Netzwerkgedanke, der umfassender ist als ein
reines Brauggsdu-Kriggsdu- Abchecken, immer besser im real life
angesiedelt. Im Internet ist eben genau die wunderbare
Gefühlsverstand-Komponente ausgeknipst = alle wunderbaren weiteren
Kanäle, um sich zu verständigen, fehlen. Der Rechner bietet einem
umfassend gepolten Verstand, der viele Antennen hat und viel wahrnimmt
(einem Gefühlsverständigen), überhaupt nichts. Nur Bilder (die nicht
echt sein müssen und oft genug auch falsch sind), nur Texte, bei denen
es oft schwer ist, die ganzen Inhaltsebenen einzuordnen, die sie
anbieten. Der Gebrauch von emoticons ist im Netz nicht spießig, sondern
weise, weil man sich auf nur rein textlicher Ebene extrem missverstehen
kann, wie wir alle sicher schon erfahren durften. Es fehlen Betonungen,
Akzente, ein Lippenkräuseln, ein Blick von der Seite. Da fehlt alles.
Daher ist für mich das Internet nur ein rudimentäres und sehr fehlerhaftes Mittel zur Akquise. Um die geht es doch. Im Internet findet nur da erfolgreich Akquise statt, wo die Leistungen
klar und einfach beschreibbar sind. Ergo sind sie dann auch
vergleichbar. Und wo vergleichbare Leistungen angeboten werden,
herrscht ein reiner Preismarkt und der Untergang der Idee.
Das, worauf Sie raus wollen, dem Kunden die Qualität der Idee
herauszustellen, wichtiger als stupide technische Umsetzung, und sie
als wichtigen Grundstein Ihrer eigene Arbeit anzubieten (was ich gut
finde), geht im Netz daher... schlecht.
Nutzen Sie für Ihre eigene Sache mehr Wahrnehmungskanäle als das dröge
Internet und machen Sie... Seminare, Events. Denn Sie sind keine
Schraubenfabrik und verkaufen keine Schrauben.
Und zwar keine dieser trockenen Powerpointvorlesungen oder dieser
unglaublichen IHK-Seminare (I know), sondern mit Schmackes und
Aha-Effekt. Ich bin sicher, Sie haben es drauf. Mit den Leuten, die
jetzt schon von Ihnen begeistert sind, ein Netzwerk halten und weiter
ausbauen.
Viral ist die Zauberidee ( und sprichst du nur das Zauberwort...), wenn das Budget schmal ist und man trotzdem Bekanntheit möchte. Denn es verkörpert auf geniale Weise, wie Internet funktioniert: Der gelangweilte Lebens- und Büroslacker hüpft freiwillig drauf und amüsiert sich prächtigst zu Tode und erzählt das auch noch von selber weiter (der Depp als Viruswirt...).
Leider erzählen irgendwelche komischen Web 2.0 Unternehmensb(e)rater-Gurus, die sich als Freud-Epigonen wähnen, in Wirklichkeit aber aus der Ecke Informatik kommen, absoluten Kommunikations-Blödsinn: Witzig sei nur, was als Tabubruch daher käme. Und KMU fallen darauf herein. Nur weil Papa Freud mal erzählt hat, dass ein wirklich guter Witz nur dann ein echter Knaller ist, wenn er ein Tabu berührt.
Logisch: Wir lachen am meisten über das, was uns weh tut. Witze über Schwiegermütter und über Chefs lehren uns das.
Die sogenannte logische Umkehrung aber, dass alles, was ein Tabu bricht, automatisch dann auch witzig sei *zurücklehn*, ist ein Fehlschluss. Der nur aus der Mathematiker- und Informatik-Ecke kommen kann. Rührt euch, wenn ihr Mumm habt, ihr lebensfremden Kommunikationsversager! *french kiss aber auch*.
In Wirklichkeit ist Humor aber immer ein zweischneidiges Schwert. Man muss sich fragen: Funktioniert auch der Witz sozial? Passt er fürs social web? Oder halte nur ich ihn für witzig, weil ich gern primitive und unkorrekte Witze höre? Und das ist viel komplexer als eine mathematische Gleichung, die in ihrer Welt der emotionslosen Zahlen immer und komplikationslos als simple Umkehrung funktoniert: a = b, also ist b = a. True = true; false = false. Oder für die Fans des Pythagoras:
a² + b² = c². Also ist
Wunderbar.
Nur: Wenn ich Tabus wie Porn, Sex, Inzest, Betrug oder den Furz zum Inhalt meiner viralen Spots nehme, ist der dann auch wie die Umkehrung der mathematischen Gleichung auch gleichzeitig immer witzig? Eine Witzischkeitsgarantie?
Nä. Auf dieses Idee, diese schmale logic fuzzi Brett, können echt nur Mathematiker und Ingenieure kommen, oddr? Falls Werber (Berufskommunikatoren, hach) drauf kommen, dann sind sie entweder windelweiche Ja-Sager oder blöd in der Birne und haben ihren Beruf verfehlt. Weil sie Ihre Kohle wollen und kaum fragen: "Zahlt das auch auf Ihre Marke ein?"
OK, jetzt habe ich es mir mit Ingenieuren und Mathematikern komplett verdorben. Dabei war ich sehr gut in Mathe und eine meiner besten Freundinnen im Gym ist Mathematikerin geworden. Ich liebe Mathematiker! Und Bach. Manchmal, wenn von Glenn Gould gespielt. Aber das war auch nur so ein furzender Verrückter... Und wenn der Web 2.0 Käse vorüber ist, wird es darüber ein fettes Buch von T. C. Boyle geben wie damals das "Grün ist die Hoffnung" (World's End. New York: Viking, 1987.) und "Willkommen in Melville" (The Road to Wellville. New York: Viking, 1993). Eine Glosse über inkompetente Ernährungsgurus und windige Geschäftemacher.
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Fetter Rat an Kosten sparen wollende KMU: Holt euch Leute, die wirklich was vom Witz verstehen, Informatik-Professoren und Web 2.0 Gurus sind es jedenfalls nicht, die den Tabubruch wie Porn, Splatter, Vergasung zur heiligen Kuh erheben wollen. Informatiker haben null Humor und begreifen als soziale Autisten absolut nicht und nie mehr in diesem Leben, warum nur Harald Schmidt und Polen Polenwitze machen dürfen. Und Web 2.0 Gurus haben nur ihr eigenes Beratergeld im Kopf. Ihnen ist es wurscht, ob Sie sich blamiert haben. Logisch mal wieder: Es ist nicht ihr Geld, sie stehen nicht in der Verantwortung.
Zweiter fetter Rat an KMU:
Bester Humor ist: Selfirony. State of the Art, wie Engländer und englisch schnackende Länder wissen. Nichts ist dumpfer und peinlicher als deutscher schenkelklopfender Anal-Humor. Nichts ist sympathischer als souveräne Selbstironie wie in einer Anzeige der Hilfsgemeinschaft für Blinde und Sehbehinderte:
Was sagt ein Blinder wenn man ihm Schleifpapier gibt?
Das hier ist das Freitag!-LOGBUCH, auf dem wir von unserem Text- und Corporate-Design-Agenturleben in München berichten. Gemeinsam geschrieben und liebevoll bewirtschaftet von Vroni, Diplom-Designerin, und Wolf Gräbel, M. A., Text.
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Unsere handwerklichen Leisten sind Copytext, Literatur und Design. Darum geht es auch in diesem Logbuch unseres Designbüros. Wir reden hier über unseren Job, über Text, Copywriting, Corporate Design und was uns zu diesen Themen bewegt. Damit bestehende Kunden und Menschen, die an unserer Arbeit interessiert sind, wissen wie wir ticken.
Unser Grafikbüro empfiehlt keine fremden Dienstleistungen & Produkte verdeckt. Wir beraten Sie in unserem Fach Marketing, Design und Text grundsätzlich ergebnisoffen. Das heißt, wir nehmen keine Rücksicht auf unser eigenen verkäuferischen Interessen. Wenn Sie für Ihre Firma keine Flyer brauchen, sondern besser beispielsweise vernünftige PR, so sagen wir das, deutlich. Das Resultat muss zu Ihnen passen. Aber wir beraten nicht hier auf dem Blog, weil wir Beratung und Analyse nicht als Gratis-Köder zum Kundenfang sehen, sondern als komplexe Dienstleistung, die es nicht umsonst geben kann. Wir bitten dafür um Verständnis. Alle unsere Beiträge geben unsere subjektive, manchmal sehr persönliche Meinung wider, die bei Fachthemen fachlich geprägt ist. Manchmal sind wir verschiedener Meinung und kabbeln, das betrachten wir jedoch nicht als Schwäche, sondern als notwendige Weiterentwicklung. Wir freuen uns, wenn Sie das auch so sehen.
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Was tun? Pech? Warum finden Sie nicht sofort, was Sie suchen? Komische Baustelle, seltsame Anordnung? Abhauen? Dableiben und sich trotz Zeitnot einen Wolf lesen?
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DIE LÖSUNG: Diesen FAQ lesen! Es muss sein :-)
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Warum ist das hier ein Weblog, warum reicht uns der Stress und das Hosting unserer Websiteauftritte nicht :-) ?
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Ein Weblog ist ähnlich einem Forum und lebt - im Unterschied zu einer statischen Website - von der anglophilen und sehr demokratischen Idee des "free speech" und den tatsächlichen, spontanen Kommentaren seiner Leser. Die von uns zügig beantwortet werden. Kommentieren Sie, sagen Sie, was Ihnen zu den Beiträgen und seinen Inhalten einfällt, was Ihnen gefällt, was Ihnen nicht gefällt. Das ist der Grund, warum es dieses Blog hier gibt. Auf einer Website kann man nicht kommentieren, nützen Sie die Gelegenheit hier. Sie werden nicht gesteinigt, Ihre Meinung ist uns willkommen, egal welche.
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Im Augenblick hat unser Blog täglich um die 200 Leser. Es wird von zwei Autoren geschrieben, lebt seit Oktober 2005 und hat seitdem über 200 Fachbeiträge. Das ist für ein persönlich geführtes Fachblog zu "Grafik-Design und Text" recht anständige Mittelklasse.
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Was soll ein Weblog überhaupt oder - kürzer - ein Blog?
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Was ist ein Weblog nicht?
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